Frühe Sprachförderung
Das Projekt «Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten» will die Deutschkenntnisse von Kindern vor dem Eintritt in den Kindergarten verbessern. Ziel ist es, dass alle baselstädtischen Kinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen ihre Kindergarten- beziehungsweise Schulkarriere starten können. Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen werden verpflichtet, eine Spielgruppe oder ein Tagesheim mit integrierter Sprachförderung zu besuchen.Verweise
» Projektziele und Begründung
» Zielgruppe
» Selektives Obligatorium
» Eltern
» Begriffe: Frühbereich, Frühförderung und frühe Förderung
» Spielgruppen
» Qualitätsstandards und Vergünstigung des Spielgruppenbesuchs
» Tagesheime
» Tagesfamilien
» Lehrgang Frühe sprachliche Förderung - Schwerpunkt Deutsch
» Dialekt oder Standardsprache
» Gesetzesgrundlage
» Veranstaltungen
» Aktuelle Dokumente
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Projektziele und Begründung
Das Projekt zielt darauf ab, die Chancengerechtigkeit in den baselstädtischen Schulen zu verbessern. Die sprachliche Frühförderung ist erwiesenermassen ein Schlüssel zum späteren Bildungserfolg und zur Integration in die Berufswelt. Investitionen im Frühbereich sind erheblich effektiver und effizienter als kompensatorische Massnahmen während oder nach der Schulzeit. Darum sollen insbesondere Kinder, welche kaum die Möglichkeit haben, mit der deutschen Sprache in Kontakt zu kommen, bereits im Jahr vor dem Kindergarteneintritt eine Spielgruppe, ein Tagesheim oder eine Tagesfamilie mit qualifizierter Sprachförderung besuchen. Eingebaut in das Alltagsgeschehen werden die Kinder auf spielerische Weise an die deutsche Sprache herangeführt.
Zielgruppe
Zur Zielgruppe gehören in erster Linie drei- bis vierjährige Kinder aus sozial benachteiligten, bildungsfernen oder fremdsprachigen Familien; Kinder, die keine oder wenig Möglichkeiten zum Erwerb von Deutschkenntnissen vor dem Kindergarteneintritt haben. Aufgrund der demographischen Prognose und den Erfahrungen aus den Kindergärten sind pro Jahrgang in etwa 500 Kindern betroffen (33%). Angestrebt wird allerdings, dass auch Kinder mit guten Deutschkenntnissen die Spiel- und Tagesheimgruppen besuchen können. Eine (sprachlich) gut durchmischte Gruppe bietet den Kindern vielfältige und bereichernde Spiel- und Lernangebote. Kinder sollen auch von Kindern lernen können.
Selektives Obligatorium
Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen sollen zur Teilnahme an der Sprachförderung verpflichtet werden können. Das Obligatorium ist wichtig, weil alle Kinder erreicht werden. Erfahrungen etwa mit Bildungsgutscheinen im Frühbereich haben gezeigt, dass gerade Eltern mit bildungsfernem Hintergrund die Möglichkeit einer frühen Förderung für ihre Kinder häufig nicht ergreifen. Mit dem selektiven Obligatorium wird das Bildungsrecht der Kinder höher gewichtet als die Erziehungsrechte der Eltern. Das selektive Obligatorium wird frühestens 2013 umgesetzt.
Das Verfahren zur Auswahl der Kinder mit keinen oder ungenügenden Deutschkenntnissen soll die Eltern einbeziehen. Von der Universität Basel entwickelt und validiert ein Fragebogen für Eltern. Fragen zum täglichen Gebrauch der Sprache oder Sprachen und zum Umfeld des Kindes lassen indirekt auf die Deutschkenntnisse der Kinder schliessen. Der Fragebogen wird möglichst in alle in Basel vertretenen Sprachen übersetzt. Geplant ist, dass die Eltern die Bogen anlässlich von Elternabenden mit hilfe von Kulturvermittler/innen ausfüllen können. Weiter wird auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Fach- und Anlaufstellen gesetzt, die den Eltern ebenfalls behilflich sein können (Kinderärzte, Mütter- und Väterberatung, Quartiertreffpunkte, etc.).
Eltern
Der Einbezug der Eltern ist für die sprachliche Entwicklung der Kinder zentral. Die allermeisten Eltern wissen, wie bedeutungsvoll die deutsche Sprache für die Integration ihrer Kinder ist.
Daneben geht es darum, dass man Eltern Hinweise gibt, wie sie am besten mit ihren Kindern im Bezug auf den Sprachgebrauch umgehen. Heute wird fremdsprachigen Eltern einhellig geraten in jener Sprache mit ihren Kindern zu reden, welche ihnen am geläufigsten ist.
Begriffe: Frühe Förderung oder Frühförderung
Frühe Förderung
Der Begriff <Frühe Förderung> bezeicnet die Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern vor dem Kindergarteneintritt (0 bis 4 Jahre). Analog dazu wird oft vom <Frühbereich> gesprochen. Das Projekt «Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten» richtet sich an Kinder, die im Jahr vor dem Kindergarteneintritt stehen - also an die Drei- bis Vierjährigen.
Frühförderung
Der Begriff ‹Frühförderung› hat seinen Ursprung in der Heilpädagogik. Im Kanton Basel-Stadt steht das Zentrum für Frühförderung des Erziehungsdepartements Familien mit Säuglingen, Klein- und Vorschulkindern bis zum Kindergarteneintritt zur Verfügung, deren Entwicklung und Erziehung Anlass zur Besorgnis geben. Angeboten werden Beratungen, entwicklungspsychologische Abklärungen und heilpädagogische Früherziehung.
Spielgruppen
In einer Spielgruppe lernen die Kinder, ihren Platz in einer konstanten Gruppe von Gleichaltrigen zu finden. Die Gruppengrösse variert je nach Raumangebot und Personalschlüssel. Die Leiterinnen sorgen für einen klar strukturierten Rahmen, in welchem sich die Kinder aktiv und selbstbestimmt bewegen können.
Etliche Spielgruppen und Tagesheime in Basel-Stadt haben bereits die Förderung der deutschen Sprachkenntnisse bewusst in ihr Konzept integriert. Von deren Erfahrungen kann im Projekt profitiert werden. Die <Fach- und Kontaktstelle für Spielgruppen Basel + Region> hilft Eltern, Spielgruppen in ihrem Quartier zu finden. Sie unterstützt Interessentinnen bei der Eröffnung neuer Spielgruppen.
Es ist geplant eine Dachorganisation für Spielgruppen im Kanton Basel-Stadt zu gründen, welche die Interessen der Spielgruppen vertreten und als verbindliche Partnerin gegenüber dem Kanton auftreten kann. Die Stärkung und der Ausbau der Spielgruppen ist ein wesentliches Element des Projekts.
» Fach- und Kontaktstelle für Spielgruppen Basel und Region
Qualitätsstandards und Vergünstigung des Spielgruppenbesuchs
Gemeinsam mit dem Erziehungsdepartement haben Fachpersonen aus der Praxis Qualitätsstandards für Spielgruppen erarbeitet. Diese Qualitätsstandards liegen seit dem 15. März 2010 vor. Diese Standards vermitteln den Eltern eine gewisse Sicherheit, dass eine Spielgruppe seriös und auf einem gewissen Level arbeitet und sie stärken die Position der Spielgruppen selbst. Insbesondere machen die Standards Aussagen zur Sprachförderung. Die Standards sollen mit der Einführung des selektiven Obligatoriums im Sommer 2013 in Kraft treten.
Ab August 2010 haben Kinder die Möglichkeit eine Spielgruppe vergünstigt zu besuchen. Diese Vergünstigung ist allerdings an Bedingungen geknüpft.
- Die Eltern müssen Anrecht auf Krankenkassen-Prämienvergünstigung haben (kurz PV genannt).
- Die Spielgruppe muss eine Absichtserklärung unterzeichnen und dem Erziehungsdepartement zukommen lassen. Diese Absichtserklärung enthält minimale Qualitätsstandards, die die meisten Spielgruppen erfüllen können.
- Die Vergünstigung gilt für Kinder, die im Jahr vor dem Kindergarteneintritt stehen.
Die Vergünstigung tritt für den Besuch eines Spielgruppen-Halbtages in Kraft. Im Maximum werden zwei Halbtage vergünstigt.
Die Vergünstigung bewegt sich zwischen CHF 3.-- und CHF 15.-- pro Kind und Halbtag und richtet sich nach den Einkommensgruppen der PV.
| Einkommensgruppe | Ermässigung pro Kind und Halbtag |
|---|---|
| 13 - 18 | CHF 3.-- |
| 10 - 12 | CHF 6.-- |
| 6 - 9 | CHF 9.-- |
| 3 - 5 | CHF 12.-- |
| 1 - 2 | CHF 15.-- |
Spielgruppen, welche eine Vergünstigung gewähren dürfen, können die Ertragsdifferenz aus den Elternbeiträgen dem Erziehungsdepartement Basel-Stadt in Rechnung stellen.
» Spielgruppen mit Beitragsermässigung
» Qualitätsstandards für Spielgruppen
Tagesheime
Tagesheime fördern Kinder in ihrer Entwicklung, verbessern ihre soziale Integration und tragen zur Chancengleichheit bei. Den Eltern ermöglichen Tagesheime die Erwerbsarbeit und die Verbesserung ihrer beruflichen Qualifikationen. Zudem unterstützen sie die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei der Rekrutierung und dem Erhalt von Arbeitskräften mit Erziehungspflichten. Tagesheime betreiben heute bereits Sprachförderung. Nach einem Ausbau werden sie einen Teil der 500 Kinder aus der Zielgruppe aufnehmen können. Zukünftig wird die Sprachförderung in den Leistungsvereinbarungen verankert sein.
Tagesfamilien
Zum Tagesbetreuungsangebot gehören die Tagesfamilien. Sie erbringen eine wichtige Leistung für die Gesellschaft, indem sie beispielsweise eines oder mehrere Kinder während der Erwerbstätigkeit oder Ausbildung der Eltern in ihren Familien betreuen (ganztags, halbtags oder stundenweise).
Lehrgang Frühe sprachliche Förderung - Schwerpunkt Deutsch
Erzieherinnen und Erzieher von Tagesheimen und Leiterinnen und Leiter von Spielgruppen sowie ähnlichen Institutionen bekommen die Gelegenheit, sich im Bereich der frühen sprachlichen Förderung weiterzubilden. Der Lehrgang «Frühe sprachliche Förderung - Schwerpunkt Deutsch» wurde von der Berufsfachschule Basel konzipiert. Die erstmalige Durchführung mit 20 Teilnehmerinnen hat im Januar 2009 begonnen, der zweite Lehrgang startete im August 2009.
Informationen zum Lehrgang und zum Start des nächsten Lehrgangs (August 2010):
» Ausschreibung Lehrgang August 2010
» Hauptseite der Berufsfachschule Basel
» Medienmitteilung zum Lehrgang vom 6. März 2009
Dialekt oder Standardsprache
Den Betreuungspersonen in den Spielgruppen steht es frei, ob sie mit den Kindern Dialekt oder Standardsprache sprechen wollen. Es gibt von Seiten des Erziehungsdepartements momentan keine Bestrebung, die Spielgruppen zum Gebrauch der einen oder anderen Sprache zu verpflichten.
Gesetzesgrundlage
Der Grosse Rat hat am 21. Oktober 2009 den gesetzlichen Änderungen mit einem grossen Mehr zugestimmt.
Veranstaltungen und Referate
Veranstaltungen
Referate
Zusammen mit der Fachstelle Tagesbetreuung werden Veranstaltungen für Fachpersonen aus Tagesheimen, Spielgruppen, Tagesfamilien und weiteren Organisationen zum Thema «Frühe Bildung und Sprachförderung» angeboten.
Im Herbst 2010 steht das Thema <Bildung im Frühbereich> im Zentrum.
» Donata Elschenbroich: Die Dinge im Frühlicht
» Mitarbeiter/innen des Marie Meierhofer Instituts für das Kind: Kitas machen sich auf den Weg
» Lutz Jäncke: Denn sie können nichts dafür - Warum kleine Kinder zum Lernen verurteilt sind
Die Handouts zu den Veranstaltungen 2008/2009 sind verfügbar:
» Handouts zu den Veranstaltungen 2009
» Medienmitteilung zum Ratschlag vom 26. März 2009
Die Vernehmlassung zum Projekt hat vom 1. August 2008 bis 31. Oktober 2008 statt gefunden: Medienmitteilung zur Vernehmlassung vom 5. Februar 2009
